Vor ein paar Tagen hat Raul Krauthausen seine Reiseroute bis Weihnachten auf Google+ wie folgt gepostet: “(Raul Krauthausen) is up up and away: Berlin > Brussels > Hamburg > Paris > Berlin > Cologne > Berlin > Venice > Berlin > X-Mas”. Nun bin ich selbst derzeit ständig zwischen Berlin, Hamburg und Düsseldorf unterwegs. Und aus eigener Erfahrung kann ich da nur sagen: Respekt! Der Goldstatus beim Kundenbindungsprogramm der Airline seines Vertrauens dürfte greifbar sein. Ich sehe kolumbianische Kaffeespezialitäten, serviert von serviceorientiertem Fachpersonal und noch viel mehr.
Was viele von uns – ich nehme mich da nicht aus – meist nicht sehen: Dass für Menschen im Rollstuhl ein solcher Reiseplan durch nicht zu überwindende Hürden zur Tortur wird. Mal eben in Paris einen Kaffee trinken? Kann schwierig werden, wenn zum Café zwei Stufen führen. Geld abheben in Köln? Unmöglich, wenn man nicht an den Automaten kommt.
Raul Krauthausen ist durch eine Glasknochenkrankheit Rollstuhlnutzer. Und während seines Auftritts bei der TEDx Berlin erzählt er mitreißend und humorvoll, wie er gemeinsam mit einem Freund auf die Idee zu Wheelmap kam, einer Onlinekarte für Rollstuhlfahrer:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=I13yL8ygwhk
Wheelmap zeigt die Rollstuhltauglichkeit und Zugänglichkeit von öffentlichen Bereichen, wie Cafés, Museen, Hotels und Geschäfte. Knapp 180.000 Plätze – meist in deutschen Städten – wurden bislang von den Nutzern geprüft. Crowdsourcing für eine gute Sache! Etwa zwei Drittel der markierten Orte sind übrigens für barrierefrei befunden worden.
Die App wurde von dem Verein „Sozialhelden e.V.“ (http://sozialhelden.de/) entwickelt, deren Vorstand der oben genannte Raul Krauthausen ist. Rund 20 Sozialhelden engagieren sich in dem Verein, der gerade einmal vier festangestellte Mitarbeiter hat. Diese Woche hat der Verein in Brüssel (siehe Reiseroute!) seinen ersten europäischen Preis für Wheelmap gewonnen, den Smart Accessibility Award der internationalen Vodafone Foundation. Die Sozialhelden wollen ihren Anteil am Preisgeld von 200.000 Euro für die Internationalisierung des Projektes verwenden, wie uns Raul Krauthausen nach der Verleihung verriet. Weitere Gewinner sind die Apps „Help Talk“, „Zoom Plus Magnifier“ und „BIG Launcher“ – und wer wissen möchte, wie diese Anwendungen die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben erleichtern, sollte sich dieses Video anschauen:
(http://www.youtube.com/watch?v=h80JQ_pV2BE&feature=player_embedded)
Mit den „Smart Accessibility Awards“ zeichnet die Vodafone Foundation gemeinsam mit dem European Disability Forum (EDF) Apps für mobile Endgeräte aus, die die Lebensqualität von älteren Menschen und Menschen mit einer Behinderung verbessern. EU-Kommissarin Neelie Kroes und Vodafone Konzernchef Vittorio Colao haben die Preise übergeben. Vittorio Colao hat dabei zugesichert, dass Vodafone die Verbreitung der ausgezeichneten Apps unterstützen wird – schließlich sollen alle von der Smartphone-Revolution profitieren.
PS: Das Espressamente und der Burger King am Berliner Flughafen Tegel wurden als voll rollstuhlgerecht kategorisiert. Ein Anfang!