Mit einem Unternehmensblog ist es ja wie mit mancher Ehe: Man startet voller Energie in das gemeinsame Glück. Und nach einer Weile merkt man, dass es einfach nicht mehr so rund läuft. Irgendwie redet man immer mehr aneinander vorbei. Man weiß gar nicht mehr so genau, wozu man eigentlich mal geheiratet hat. Da kann man sich trennen, einen klaren Schnitt machen und ohne Partner/Unternehmensblog weitermachen. Oder man reißt sich zusammen und versucht mal wieder „Pepp“ (sagt man das eigentlich noch??) in die ganze Geschichte zu bringen.
Das beschreibt so ungefähr den Vodafone-internen Stand des Themas Unternehmensblog. Und anlässlich der CeBIT haben wir einen kleinen Kreis von Bloggern eingeladen, um mal grundsätzlich über Unternehmensblogs zu sprechen. Paartherapie sozusagen. Vertreter der Blogosphäre und von Vodafone gemeinsam auf der Couch. Einen ersten Blogbeitrag inklusive Couch-Foto dazu gab es hier schon. Mit etwas mehr Zeit zum Sammeln und Überlegen folgt nun also die Fortsetzung.
Was sind denn nun die Zutaten für einen erfolgreichen Unternehmensblog? In unserer Runde auf der Cebit schien das alles sehr klar:
– Auch in Unternehmensblogs gilt: eine persönliche Note in den Beiträgen muss sein. Bitte keine Pressemitteilungen, keine PR-Sprache. Da waren sich alle in der Runde einig. Und mit Profis wie Robert Basic oder Michael Finger (und all die anderen) hatten wir ja auch leuchtende Beispiele für diesen sehr persönlichen und engagierten Stil vor Ort.
– Unternehmensblogs sind dann gut, wenn sie den Lesern und Kunden auf Augenhöhe begegnen und einen echten Dialog ermöglichen. Wir haben zum Beispiel zu Beginn unseres Treffens über die Frage diskutiert, ob man in einem Unternehmensblog die Leser nun mit „Sie“ oder „Du“ anspricht. Ich hatte den Eindruck, alle anwesenden Blogger waren mit einem „Du“ jederzeit einverstanden, aber wo das „Sie“ zum Thema oder Produkt passt, ist auch das OK. Es gibt halt keine Lösung für alle. Natürlich erschöpft sich das Thema „Augenhöhe“ nicht mit der Frage „Du oder Sie“. Hierzu zählt auch die Frage, ob der Unternehmensblog seine Leser ernst nimmt und ob er mit ihnen in einen Dialog tritt. Einige der Blogger meinten, dass der Unternehmensblog der einzige Kommunikationskanal ist, in dem das Unternehmen öffentlich im Dialog mit Kunden auftritt (Anrufe in der Kunden-Hotline werden ja nicht veröffentlicht und ich habe bisher noch niemanden gesehen, der seine sehr freundlich formulierte Mahnung bei Facebook gepostet hat) – das fand ich einen interessanten Aspekt, gerade für ein Unternehmen wie Vodafone mit mehreren Millionen Kunden.
– Ein Thema war nie explizit Gegenstand der Diskussion, blitzte an einigen – entscheidenden – Stellen aber immer wieder auf: Authentizität. Unternehmensblogs müssen authentisch sein. Daran schloss sich in der Runde meist ein zweiter Aspekt direkt an: Freude am Schreiben. Und das ist gar nicht so trivial! Denn das ist ja der große Unterschied zwischen Unternehmensblogs und „richtigen“ Blogs: Am Ende ist es für die Leute hinter dem Unternehmensblog ein Job und für die meisten Blogger ein Hobby, nicht selten eine Berufung. Das soll nicht heißen, dass man als Unternehmensblogger keinen Spaß bei der Arbeit hat! Die Herausforderung besteht aber eben darin, sich in einer Szene zu bewegen, in der hoch motivierte und engagierte Leute über ihre Lieblingsthemen schreiben. Kaum jemand wird ihnen da groß reinreden. Blogbeiträge, die man halt schreibt, weil man sie schreiben muss – das wird man in den „freien“ Blogs nur sehr, sehr selten finden. In einem Unternehmen ist das naturgemäß anders. Es gibt unter Umständen rechtliche Hürden, es gibt gelegentlich die berühmten „Sachzwänge“, es gibt hin und wieder unterschiedliche Interessen zwischen Abteilungen und so weiter. Bei diesem Themenkomplex ging es in der Runde besonders hoch her. Und es war ganz spannend zu sehen, wie hier doch auch zwei Welten aufeinander getroffen sind. Kurzzeitig hatte ich das Gefühl, dass ein Unternehmensblog wohl nie den hohen Ansprüchen der Blogosphäre genügen kann. Kann er aber doch! Und das schöne ist, dass in der Runde auch alle Blogger dieser Meinung waren – wenn auch mit verdammt hohen Anforderungen.
– Ein Erfolgskriterium (und zugegebenermaßen nicht ganz neu) heißt: Unternehmensblogs müssen Kritik zulassen und konstruktiv damit umgehen. Auch das zahlt natürlich auf die Authentizität des ganzen Blogs ein. Wenn man hier den ganz großen Bogen spannen möchte, müsste man wohl sagen: Moderne PR beziehungsweise Kommunikation von Unternehmen allgemein muss mit Kritik offen umgehen. Es wäre mal interessant zu sehen, wie das Aufkommen der Unternehmensblogs auch die PR von Organisationen verändert hat, ob diese ganze „Dialogorientierung“ in der PR nicht auch auf das Aufkommen von Blogs zurückzuführen ist. In unserer Blogger-Runde schien es bei einigen eine regelrechte Aversion gegen PR zu geben („Blogs dürfen nicht aus der PR kommen.“). Wenn man sich die PR aus den sechziger Jahren anschaut, würde ich zustimmen. Aber heute sieht das doch sehr anders aus. Blogs sind Kommunikation und Kommunikation ist PR. Zeitgemäße PR lässt den Blogs ihren Freiraum.
Soweit ein kleiner Einblick in die Diskussion mit Bloggern auf der CeBIT. Spannend war auch die Diskussion, wie man den Erfolg eines Blogs misst. Zu meiner eigenen Überraschung hat wirklich niemand der Blogger auf die Zugriffszahlen verwiesen. Das fand ich wirklich bemerkenswert – besonders aus der Perspektive eines Unternehmensblogs… Für die Weiterentwicklung des Vodafone-Blogs haben wir jede Menge Input mitnehmen können. Und vielleicht kommen wir in dieser oder anderer Runde ja bald mal wieder zusammen.
Abschließend noch zwei griffige Tipps, die jeder beherzigen sollte, der einen Unternehmensblog einrichten möchte oder betreibt:
– Unternehmensblogs sollen dabei helfen, dass Kunden und Interessierte das Unternehmen „begreifen“, meinte Sascha Pallenberg.
– Gelesen werden Unternehmensblogs, wenn sie mit „Herzblut und Leidenschaft“ geschrieben werden, sagte Robert Basic. Es war auch er, der mit ernster Miene und sehr eindringlich forderte: „Entweder 150% einen Blog betreiben oder gar nicht.“ Wobei ich mir nicht sicher bin, ob er nicht 1500% gesagt hat…
Die Runde haben wir mit einer letzten Frage an die Blogger beschlossen, die wir nun auch euch stellen: Was würdet ihr denn eigentlich gern im Vodafone-Blog mal lesen? Tragt eure Vorschläge einfach in das Kommentarfeld ein. Wir versprechen euch, dass sie in unsere Überlegungen mit einfließen. Und kommt bald mal wieder zurück, in den kommenden Monaten werden wir die Aktion „Pepp“ in Angriff nehmen. Die Paartherapie hat also gewirkt!












