Ausgefragt von Carmen Hillebrand

Heike Scholz
1) Heike, Du bist ausreichend bekannt als auf mobile Themen spezialisierte Bloggerin und Expertin für Business im Bereich mobiles Internet. Aber das ist ja nicht alles, was Du tust. Womit verdienst Du Deine Brötchen?
Von einem deutschsprachigen Nischenblog leben zu können, ist bis heute leider nicht möglich und so bin ich in verschiedenen Rollen in der Mobile Branche unterwegs. Beraterin, Business Angel und Speaker auf verschiedenen Events. Alles greift perfekt ineinander, ergänzt sich und macht unglaublichen Spaß. Das ist ein Privileg im Berufsleben, das ich jeden Tag aufs Neue genieße und sehr zu schätzen weiß.
Besonders viel Freude macht mir ein Start-up, bei dem ich die Geschäftsführung übernommen habe. Indoo.rs (http://customlbs.com) hat eine Lösung entwickelt, mit der die Lokalisierung mit mobilen Geräten auf Basis vorhandener WLAN-Infrastrukturen innerhalb geschlossener Räume metergenau möglich ist.
2) Warum hast Du Dich bereit erklärt, für Vodafone Mobile Clicks eine der deutschen Juroren zu sein?
Wo darf man in Mobile als Jurymitglied schon dabei sein und so viel Geld verteilen? *lach
Ich gehörte schon vor zwei Jahren zur Jury der Vodafone Mobile Clicks für die Entscheidung in Großbritannien und den Niederlanden. Damals gewann Layar, die seitdem einen kometenhaften Aufstieg hingelegt haben. Bei der PICNIC in Amsterdam, wo die Finalrunde und Jurysitzung stattfand, habe ich diesen Award als einen der professionellsten und fairsten kennen gelernt. Das Bewertungsverfahren ist transparent und streng, nicht nur für die teilnehmenden Start-ups, auch für die erstklassig besetzte Jury. Die Gründer haben beim finalen Pitch regelrecht schwitzen müssen als die Jury ihnen tiefgehende Fragen live vor dem Publikum gestellt hat. Unsere Köpfe haben in der Jurysitzung danach wirklich geraucht. Es war ein rundum gelungenes Event, das nicht nur großen Spaß gemacht hat, sondern bei dem ich auch viel lernen konnte. Als ich nun für die Mobile Clicks in Deutschland gefragt wurde, habe ich sofort Ja gesagt.
3) Was ist Deine Lieblings-App bzw. liebster mobile Service derzeit?
Meine liebste App derzeit ist myTaxi, die nach dem Start in Hamburg nun eine Stadt nach der anderen erschließt. Ein toller Service für jeden, der sich egal wo er in der Stadt ist, ein Taxi ohne Anruf in einer Taxizentrale rufen will. Auf einer Karte wird angezeigt, wie sich das Taxi, das meine Fahrt bestätigt hat nähert, so dass ich genau weiß, wann es da sein wird. Die Fahrer waren bisher alle unglaublich freundlich und die Fachgespräche mit ihnen während der Fahrt über eine solche mobile Lösung sind Gold wert. Selbstverständlich kann ich nach der Fahrt sowohl den Fahrer als auch das Taxi bewerten. Einfach klasse und ich wünsche dem Team um Niclaus und Sven alles Gute.
4) Was sind für Dich derzeit die spannendsten Entwicklungen im Bereich mobiles Internet?
Wir richten zurzeit vernünftiger Weise den Blick wieder etwas weg von den Apps hin zu den Möglichkeiten in Browsern. Wenn auch in den Medien zumindest gefühlt der App-Hype noch auf vollen Touren läuft, ist doch deutlich spürbar, dass Unternehmen intensiv nach Vereinfachung und damit Kosteneffizienz suchen. HTML5 ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und es ist unglaublich spannend, was die Weiterentwicklungen an dieser Stelle in Sachen User Experience zukünftig ermöglichen werden. Apps wird es selbstverständlich weiterhin geben, doch sie werden in weiten Teilen hybrid sein und die Nutzer werden gar nicht mehr bemerken, ob sie noch in der App oder schon im mobilen Internet sind.
5) Wie werden wir im Jahr 2040 kommunizieren, was wird das nächste ”große Ding” im mobilen Internet?
Oh, 2040…solch eine Prognose würde ich nicht wagen. Wir haben gerade 20 Jahre Internet hinter uns, wer weiß, was uns in 30 Jahren Mobile so alles passieren wird. Ich denke, das nächste “große Ding” wird die weiter voranschreitende “Verschmelzung” von realer und digitaler Welt sein. Meine Generation denkt noch sehr zwei geteilt. Hier das “wahre” Leben und dort nur das weitaus schlechtere, digitale Abbild. Dass auch der digitale Raum real ist und unsere analoge Realität erweitert, ist manchem nur schwer vermittelbar. Jüngere Generationen gehen damit anders um und trennen diese Sphären nicht mehr. Und in der Zukunft wird es für uns ganz normal sein, dass zum Beispiel jeder Gegenstand, jedes Gebäude und auch jeder Mensch eine URL hat. Die Wege, wie wir an diese Informationen gelangen, werden intuitiver sein, Stichwort Augmented Reality, und wir werden dafür Geräte verwenden, die dann nur noch entfernt an unsere heutigen Smartphones erinnern werden. Sehen wir heute Single-Purpose-Apps werden wir in Zukunft sicherlich Single-Purpose-Devices haben, die klein und in anderen Gegenständen, zum Beispiel unserer Kleidung, integriert sein werden.