Mehrfach im Jahr kommt es vor, dass ich die vertraute Umgebung im Test & Innovation Center verlasse und mich auf eine spannende Expedition in fremde Welten begebe – auf diese Idee könnte man jedenfalls als außenstehender Beobachter kommen, wenn sich wieder einmal die Aluminium-Transportkisten im Flur stapeln und auf ihre Verladung warten. Der Inhalt der Kisten: schicke neue Smartphones, bekannte Topseller-Handys und ein paar echte alte Liebhaberstücke; alles in Chrom, Weiss, Schwarz, Blau oder Pink komplett mit Ladegeräten, USB-Strippen und ein wenig Zubehör. Nein, hier wurde nicht der Lagerbestand von einem Vodafone-Shop geplündert…. es handelt sich um den UMTS-Endgeräte-Pool mit allen Handys und Datenkarten von Rang und Namen, die bei uns schon einmal verkauft wurden.
Die Mission lässt sich am besten mit einem Vergleich beschreiben: wenn ich auf meinem Computer zuhause zum Beispiel eine Webcam betreibe und die Webcam-Software übers Internet aktualisiere, dann erwarte ich ja, dass alles danach noch genauso funktioniert und vielleicht sogar noch etwas besser und komfortabler. Und wenn wir im Mobilfunknetz die Komponenten aktualisieren, dann sollen ja auch die schon vorhandenen Handys störungsfrei weiter funktionieren. Klar, dass wir das nicht dem Zufall überlassen möchten und lieber umfangreiche Tests durchführen. Dafür werden also die meistgebrauchten Handytypen extra ins Testlabor geschafft und sogenannte Regressionstests durchgeführt. Kann man das Gerät im neuen Mobilfunksystem nutzen? Funktionieren ankommende und abgehende Telefonate, vor allem auch Notrufe wie gewohnt? Klappt die Internet-Verbindung auch, wenn man einen Zellwechsel durchführt? Was ist mit Videotelefonaten?
Nach einem ausgetüftelten Plan werden also die wesentlichen Funktionen noch einmal überprüft, damit alles nach dem Software-Update im Mobilfunknetz auch genauso gut funktioniert wie zuvor. Natürlich werden dann auch noch die ganzen coolen neuen Netzfeatures getestet, ohne die wir kein Softwareupdate bräuchten – das machen dann die Kollegen nebenan in Ruhe. Erst wenn alles okay ist, dann kann die Systemtechnik im Mobilfunknetz auch das Update bekommen.
Und wenn alles vorbei ist? – Dann kann ich die Rufnummer meiner Nebenstelle im Testlabor aus dem Schlaf wählen, dann habe ich mehrere hundert Telefonate mit mir selbst geführt, ins Telefon gesprochen, gesungen, gekratzt, geklopft und gebrummt, dann kann ich die Testeinstellungen für den Internet-Zugang im 10-Finger-System blind über die Zahlentastatur eingeben und den Standard-Klingelton eines bestimmten Handyherstellers einfach nicht mehr hören…. Für die Erkenntnis, dass am Ende alles so gut funktioniert wie vorher. Expedition erfolgreich!