Apr 2010
19

Die re:publica 2010 – mein erstes Mal. Über Nacktheit, Privatheit und Nerds

Erstellt von Carmen Hillebrand (Vodafone)
Veröffentlicht in Neues

Die ganzen letzten Jahre habe ich ständig etwas über die re:publica gelesen. Ob über Twitter oder diverse Blogs, kurz: Google quoll vor lauter Bloggertreffen über. Schien interessant und wichtig zu sein. Also bin ich dieses Jahr zum ersten Mal nach Berlin gefahren.

Die schiere Zahl der Anwesenden, wir waren rund 2.600, war schon bemerkenswert. Bemerkenswert war ebenso, dass ich so viele kannte. (Liebe Grüße an dieser Stelle, hoffe Ihr seid alle dem #ashtag entkommen und heile zu Hause angekommen. )

Die Veranstaltung hatte schon eine Art Klassentreffen-Charakter. Ich sehe aber genau die Kritiker unter Euch schon die Stirn runzeln, war das also alles nur ein bißchen Spaß ohne Hintergrund? Hat die deutsche Blogosphäre wiedermal Ihre (Un-)wichtigkeit gefeiert? Diesen Eindruck mag der geneigte FAZ-Leser bekommen haben, der die Zeitung von Mittwoch gelesen hat.

Dem war nicht so. Ich kann sicherlich den Spaß nicht verhehlen, unter gleichgesinnten Geeks und Nerds gewesen zu sein und mit diesen über Android Handys, das iPad etc. zu sprechen, jedoch war die re:publica vor allem eins: Interessant und lehrreich. Und das lag an den hochkarätigen Vortragenden, wie z.B. Jeff JarvisPeter Glaser und Peter Kruse.

Wo sonst hat man die Möglichkeit, die neuesten Trends zu diskutieren und international anerkannte digitale Vordenkern live zu erleben? Jeff Jarvis, amerikanischer Journalist, Buchautor u.a. von „What would Google do?“, überzeugte neben seinem sehr guten und unterhaltsamen Vortragsstil durch eine interessante Außensicht auf ein deutsches Paradoxon: Dem Deutschen ist Datenschutz heilig, die Privatsphäre extrem wichtig, ganz anders als in den USA. Dies stehe aber in krassem Gegensatz zu der Körperkultur in Deutschland, wie er bei einem Besuch der Sauna feststellen musste. Seine erschrockene Frau „they are all stark naked!“ beruhigte er mit honey, it’s supposed to be like that“. Nach dieser amüsanten Eröffnung ging er auf die Entwicklung in den Datenschutzeinstellungen ein: Wo zum Markteinstieg von flickr die Default-Einstellung „privat“ war, ist dies nun genau umgekehrt, der Schalter steht auf „öffentlich“.

An dieser Stelle ging er auf die Komplexität und die schwierige Bedienbarkeit der heutigen Datenschutzeinstellungen ein und verglich sie mit der unmöglichen Programmierbarkeit von Videorekordern. Nicht alle Anwesenden verstanden diesen Hinweis.

Ihm gefällt die kritische Haltung der Deutschen, ihr waches Auge auf mögliche Datenschutzverletzungen, insgesamt brach er aber eine Lanze für das öffentliche Private, wie ich es mal nennen möchte. Seine These: Die Masse ist viel intelligenter als ich alleine. Auch wenn er mit seinen detaillierten Einsichten in seine Krankheit oft verwirrte, bestand er darauf, wie wertvoll das Ausleben der Symptome, Ängste etc. auf seinem Blog für ihn war. Nicht nur führte dies zu guten Tipps, welche Therapie die beste sei, er half auch anderen Kranken und Angehörigen. Mutig, aber auch befremdlich, wie ich finde.

Zum Schluss noch ein Bonmot eben von der re:publica 2010: „In the end, it will be OK, if it’s not OK, it’s not the end“ (unbekannter Autor, zitiert von Peter Glaser in seinem Vortrag….)

Impressionen von der re:publica 2010:

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