Wie kann man sich den Ablauf der Gestaltung einer Tageszeitung genau vorstellen, von den Textinhalten bis hin zum entscheidenden Druck?
Ich bin seit 2 Wochen Praktikantin bei der Vodafone Stiftung und durfte gemeinsam mit Kollegen aus dem gesamten Kommunikationsbereich erleben, wie die tägliche Produktion von Deutschlands zweitgrößter, regionaler Tageszeitung – der Rheinischen Post (RP) – abläuft.
In der Hauptwirkungsstätte in Düsseldorf-Heerdt, hoch über den Dächern der Stadt, wurden wir um 20 Uhr vom Chefredakteur Sven Gösmann persönlich empfangen und begrüßt. Dialogredakteurin Ilka Hahn präsentierte dann zunächst Zahlen und Fakten der Zeitung und des Verlages. Interessant dabei: ich wusste bis dato zum Beispiel nichts über die eigentliche Auflage der Rheinischen Post.
Klar, sie erscheint werktags, aber knapp 400.000 verkaufte Exemplare pro Tag beeindrucken mich dann schon – mit dieser Auflage werden immerhin über 1 Million Leser erreicht – täglich! Und noch etwas Interessantes: die RP erscheint in 31 Lokalausgaben, vom bergischen Land bis hin zur holländischen Grenze. Dass die logistische Umsetzung dabei fast schon einer Glanzleistung nahe kommt, ist auch klar. Persönlich sehr beeindruckt hat mich die Ausgabe der allerersten Rheinischen Post überhaupt, aus dem Jahr 1946! Das Zeitungs-Antiquariat wurde uns in die Hände gedrückt. Spannend, mal zu sehen, wie Journalisten vor über 60 Jahren arbeiteten. Da wurde aufgrund von hohem Papiermangel alles auf 4 Seiten gequetscht, Schriftgröße, Schriftart – alles komplett anders.
Bildmaterial – gab es nicht. Apropos Bildmaterial: Bilder sind ein wichtiges Instrument beim täglichen „Blattmachen“. Diesen Einblick gewährte man uns dann dort wo die Journalisten arbeiten. Mittlerweile war es kurz vor 23 Uhr und der sogenannte Newsdesk (Arbeitsplatz der Journalisten) immer noch besetzt – aktuelle Nachrichten kommen eben jederzeit herein. Bis 23 Uhr kann man diese sogar noch redaktionell in die Zeitung des nächsten Tages einbringen, bevor die fertig gestellten Textbeiträge in den Druck bzw. die Druckerei gehen.
In Letzterer endete dann unsere Besichtigung. In der riesigen Produktionshalle entsteht das, was wir morgens früh in den Händen halten. Das, was uns aktuelle Informationen darüber liefert, was so alles in der Welt passiert. Ein staubiger Geruch kam mir entgegen, aber das ist wohl so in einer Druckerei. Papierrollen, einzeln bis zu 1300 kg schwer, stapelten sich in einem Bereich, Druckmaschinen waren zigfach nebeneinander platziert und die Koordinatoren des Ganzen, die Drucker, liefen zu Dutzenden herum. An Ihren Maschinen können Sie noch Einfluss darauf ausüben, bzw. Änderungen vornehmen, wenn Farbverhältnisse der bedruckten Zeitung nicht stimmen - sie sind letztendlich die letzte Instanz bevor die Zeitung in den Vertrieb geht. Gedruckt wird im sogenannten Offsetverfahren, d.h. die Maschinen übertragen die Druckfarbe von einem Druckzylinder auf Bögen – mit atemberaubender Geschwindigkeit. Den eigentlichen Druckablauf kann mit bloßem Auge, trotz guter Sehstärke, nicht mitverfolgt werden. Wie auf Schienen in mehreren Metern Höhe wird die frisch gedruckte Zeitung dann quer durch die riesige Halle transportiert um als Wegbegleiter in die Welt außerhalb ihrer Entstehungswerkstatt noch eins mitzubekommen: Anzeigenhefte. Diese werden in extra dafür bereitstehenden Fächern als Beileger maschinell in die Zeitung gelegt. Gegen vier Uhr morgens wird die Tageszeitung dann LKW-Weise abgeholt, um die verschiedenen Standorte anzusteuern, sagte man uns. Aber da waren wir dann nicht mehr mit dabei – gegen Mitternacht endete unsere Besichtigung.
Fazit: Es war ein sehr gelungener, interessanter Abend – sollte man mal die Gelegenheit haben, hinter die Kulissen einer Zeitung zu schauen, nicht entgehen lassen!
Zwar nicht direkt aus der Rheinischen Post, sondern über den großen Teich geschaut: In der Druckerei von News International:









Januar 21st, 2010 at 7:07 pm
Wenn man den Video-Ablauf bei einer deutschen Zeitung (Neue Osnabrücker) sehen will, dann hier weiterklicken: http://www.vimeo.com/8000371
Januar 22nd, 2010 at 2:08 pm
@Nils Sandin
Danke für das zusätzliche informative Video
Beste Grüße
Carmen