Ein Formel Eins Rennen zu besuchen, gehört wohl zu den Erlebnissen, die man nicht so häufig macht. Das liegt auch daran, dass die Rennserie nur einmal in Jahr in Deutschland vorbei schaut, sich also dementsprechend rar macht. Da Vodafone Sponsor des McLaren Mercedes Teams ist, hatten wir die Gelegenheit dem Team, und damit auch dem Rest der Formel Eins, einen Besuch abzustatten.
Das Erste, was einem bei dem Blick hinter die Kulissen auffällt, sind die Sicherheitsmaßnahmen. Um Richtung sogenannten Paddock Club zu kommen, braucht man schon mal einen Ausweis. Mit dem kommt man aber nicht ins Fahrerlager. Dafür benötigt man dann noch mal einen grünen Pass, mit dem man dann dort hinein gelangen kann. Um aber dann eines der Motorhomes der Teams besuchen zu können, benötigt man aber noch eine weitere Einladung. Den Paddock Club selber erreicht man auch nur, wenn man zusätzlich noch ein Armband hat. Und weil es sonst vermutlich keinen Spaß machen würde, gibt es all die Karten natürlich nicht in einer Wochenendausgabe. Statt dessen bekommt man jeden Tag neue Pässe und Armbänder.
Ist man aber erst einmal drin, steht einem kleinen Blick hinter die Kulissen nichts mehr im Weg.
So bekamen wir nicht nur das “Brandcenter” genannte Motorhome von Vodafone Mercedes McLaren zu sehen, sondern auch noch eine kleine Führung durch die McLaren-Box. Dort arbeiteten gerade ein paar Mechaniker an den Wagen von Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen, aber wer jetzt ölverschmierte Böden und Werkzeuge erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Der Boden war fast klinisch rein, das Werkzeug lag sauber sortiert an seinem Platz.
Man merkte jedem Teammitglied an, dass man sich für das Rennen auf dem Nürburgring viel erhofft hatte. Schon die Trainingsläufe zeigten, dass die Verbesserungen am McLaren (ein neuer Unterboden, ein neuer Frontflügel) offenbar funktionierten. Lewis lag, zur Überraschung der Beobachter wie des eigenen Teams, klar vorne. “Vorstandzeiten fahren” nannten das die Experten, und einige vermuteten, dass man Mercedes und deren Heimrennen zuliebe etwas nach geholfen hatte.
Aber dem war nicht so, wie man in der Qualifikation sehen konnte, als beide McLaren in die Top Ten fuhren. Beim Start des Rennens steckte Lewis sogar ganz kurz eine Nase in die Führungsposition, aber eine unglückliche Berührung mit dem Wagen des späteren Siegers Mark Webber führte zu einem Reifenschaden. So groß die Freude der Teammitglieder auf den ersten Metern nach dem Start war, so groß war auch die Enttäuschung, als sie sahen, wie Hamilton dann zurück an die Box humpeln musste.
Dafür lag Heikki Kovalainen lange auf einem guten dritten Platz. Zwar konnte er den Speed der beiden Führenden, Rubens Barrichello und Mark Webber, nicht gehen, aber er lieferte sich ein sehenswertes Duell mit Felippe Massa und Sebastian Vettel. Am Ende kam aber dann leider nur achter Platz heraus. Das Team hatte sich auf Grund der vielversprechenden Ergebnisse in der Qualifikation deutlich mehr versprochen.
Einen Formel Eins Wagen zu sehen, ist eine Sache. Ihn zu hören eine völlig andere. Ich besuche regelmäßig Motorsportevents, aber die Lautstärke der Motoren in der Formel Eins ist schon eine Überraschung. Dabei ist es nicht nur die reine Lautstärke, es sind auch die hohen Frequenzen der Motoren, die unter Volllast 18.000 U/min schaffen. Ohne Schutz für die Ohren kann man das kaum aushalten. Wird ein Motor angelassen, ist das aber anders. Der V8 brummt dann fast ein wenig harmlos vor sich hin, doch wehe, es wird Gas gegeben.
Die Wagen sind kleine aerodynamische Kunstwerke. Die Frontflügel bestehen aus kleinen, in verschiedene Richtungen gebogene Platten, die Seitenkästen ducken sich flach vor dem Wind, der Fahrer sitzt tief, fast wie in einer Höhle und insgesamt wirken die Wagen so filigran, dass man sich kaum vorstellen kann, damit über 300 km/h zu erreichen.
Das McLaren-Mercedes Teams zeigte sich nicht nur in Sachen Essen als guter Gastgeber. Überrascht war ich, dass es nach jedem Training, der Qualifikation und dem Rennen Interviews mit den Fahrern und den Teamverantwortlichen gegeben hat. Entweder kamen sie auf die kleine Bühne des Clubs, oder sie wurden per Kamera live aus den Boxen hinzu geschaltet. Dabei gab es auch für Fans richtig interessante und gute Hintergrundinformationen und der Motorsport-Chef von Mercedes, Norbert Haug, meinte nach dem Rennen ehrlich, dass man sich deutlich mehr erhofft hatte.
Es ist schon spannend einen Blick hinter die Kulissen der Formel Eins werfen zu können. Alles um die Serie herum ist extrem professionell organisiert, sehr straff und auf das Geschäft ausgerichtet. Das sieht man nicht nur an den Myriaden von Pässen die man mit sich rumschleppen muss, sondern auch sehr gut im Fahrerlager, das wie aus dem Ei gepellt aussieht, in dem die Trucks der Teams kein Staubkorn Schmutz haben und auf den Millimeter genau ausgerichtet sind. Die sogenannten “Brandcenter” sehen aus wie kleine Paläste und rumfliegendes Papier oder andere Dinge wird man nicht sehen.
Für ein paar Stunden konnten wir also dem McLaren Team mal über die Schulter schauen. Danke dafür an die Gastgeber.








